Dittmannsdorf/Neukirchen, 05.04.2003:

Rotor und Maschinenhaus einer Windkraftanlage stürzen nach Defekt ab

In den Nachtstunden vom 04. zum 05.04.2003 bemerkten Anwohner in den Ortschaften Dittmannsdorf und Neukirchen seltsame, zunächst unerklärbare Geräusche. Nach Tagesanbruch war die Ursache dieser Geräusche sichtbar: Der Rotor einer Windkraftanlage drehte sich mit einer wesentlich höheren Geschwindigkeit als es normal wäre.

Bei Anlage handelte es sich um eine Windkraftanlage Tacke TW 600a mit einer Nabenhöhe von 70 m und einem Rotordurchmesser von 46 m. Errichtet wurde die Anlage im Sommer 1999. Im März 2003 wurden Reparaturen an der Anlage durchgeführt, wobei u.a. der Rotor ab- und wieder aufgebaut wurde.

In den Vormittagsstunden des 05.04.2003 befanden sich Mitarbeiter einer Wartungsfirma in der Anlage, konnten aber einen Stopp der Anlage nicht bewirken. Im Gegenteil: Die Umlaufgeschwindigkeit des Rotors erhöhte sich in dieser Zeit. Aus Sicherheitsgründen zogen sich die Mitarbeiter der Wartungsfirma aus der Anlage zurück.
   

Sonnabend, 05.04.2003, am frühen Nachmittag: Der Rotor der Anlage drehte sich mit dem Mehrfachen der normalen Geschwindigkeit. Anhand von Videomaterial lässt sich belegen, dass sich der Rotor mit ca. 100 Umdrehungen pro Minute bewegte. (Normal wären 25 Umdrehungen pro Minute).
Aus Sicherheitsgründen wurden die vorbeiführenden Straßen durch die Gemeinde gesperrt. (Blick vom Wasserwerk Neukirchen in östliche Richtung / Steinbach)
Absperrung der Straße
  
Kurz nach 16 Uhr erhöhte sich der durch die Anlage verursachte Geräuschpegel nochmals. Dann schoss eine Stichflamme aus dem Maschinenhaus. Gleichzeitig schlug ein Rotorblatt gegen den Turm, wurdes abgerissen und weggeschleudert. Ein weiteres Rotorblatt riss ebenfalls ab und wurde in eine andere Richtung weggeschleudert. Der Rest des Rotors sowie das Maschinenhaus stürzten vom Turm. Dabei löste sich noch der Generator vom Getriebe und stürzte einige Meter entfernt zu Boden.
   
Reste des Rotors mit einem Blatt Zerstörte Rotorblätter
Teile des Getriebes Zerstörtes Getriebe
Der Generator hat einen Krater in den Ackerboden geschlagen. Einschlagstelle im Acker
Die Hauptteile eines Flügels wurde ca. 250 m in südöstliche Richtung von der Anlage weggeschleudert. Splitterteile wurden sogar noch wesentlich weiter geschleudert Zerstörter Flügel
Ein anderer Flügel wurde ca. 200 m in nordöstliche Richtung geschleudert. Trümmerteile im Acker
Turm der Anlage ohne "Spitze", am Turm ist deutlich die "Einschlagstelle" der Rotorblätter zu sehen (Aufnahme 08.04.03). Beschädigter Turm
"Übersicht" über das Trümmerfeld, markiert sind die Lagestellen einiger größerer Trümmerteile. Übersicht der Einschlagstellen
 
Noch in den Abendstunden des 05.04.2003 wurden wesentliche Trümmerteile geborgen und weg gebracht.
  
Foto vom 08.04.2003: Auf der Ackerfläche liegen weit verstreut kleiner Trümmerteile und abgesplitterte GFK-Fasern aus den Flügeln. Das abgebildete Teil liegt ca. 350 m vom Standort der Anlage entfernt. Andere Teile wurden aber noch weiter weg geschleudert, sodass sich ein "Trümmerbereich" von mehreren hundert Metern gebildet hat.
Übrigens beginnt die Bebauung der Ortslage Neukirchen in ca. 400 m Entfernung vom Standort der zerstörten Anlage. "Glücklicherweise" wurden die Trümmer der Anlage in andere Richtungen - also von der Ortslage Neukirchen weg - geschleudert. 
kleinere Trümmerteile auf dem Acker
Ein weiteres, ungefähr handgroßes Trümmerteil liegt auf dem Feld, ca. 300 m vom Standort der Anlage entfernt (08.04.03). kleinere Trümmerteile auf dem Acker
Ca. 50 m südöstlich des Standortes sind Ölreste auf dem Ackerboden zu sehen (08.04.03).
Der Standort der zerstörten Anlage befindet sich in einem Trinkwasserschutzgebiet. "Zum Glück" wurde aber offenbar der Großteil der in der Anlage vorhandenen Schmierstoffe bei der Zerstörung verbrannt, sodass keine größeren Ölflecke aufzufinden sind. 
Ölflecke auf dem Acker

Lageplan:
Der folgende Lageplan wurde anhand der von einzelnen Augenzeugen wiedergegebenen Informationen angefertigt und stellt die ungefähre Lage der Teile nach dem Absturz der Anlage dar. Aufgrund der raschen Beräumung konnten keine genaueren Aufzeichnungen angefertigt werden.

Luftbild mit Kennzeichnung der Schadensstelle

0 Standort der zerstörten Windkraftanlage A Beginn der Bebauung der Ortslage Neukirchen
1 Absturzstelle Rotor mit Achse und eines Rotorblattes B Wasserwerk / Trinkwasser-Hochbehälter Neukirchen
2 Absturzstelle eines Rotorblattes C Ortsverbindungsstraße Dittmannsdorf - Neukirchen
3 Absturzstelle eines Rotorblattes D Straße/Weg nach Steinbach (Landwirtschaftsstraße)
4 Absturzstelle der Getriebeteile E weitere Windkraftanlage
5 Absturzstelle des Generators F 20-kV-Freileitung
6 "Trümmerbereich": In diesem Bereich befinden sich eine Vielzahl von kleineren Trümmerteilen (Splitter und Fasern der Rotorblätter, Metallteile) 

Der Lageplan wurde angefertigt auf der Grundlage eine Luftaufnahme vom Juni 2002 (Aufnahme: Fa. AEROBILD 2000, 04509 Löbnitz).

    

Wir danken allen, die uns Bildermaterial und andere Informationen zur Dokumentation zur Verfügung gestellt haben.

    


    

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